Maibaumaufstellen in der Au
© Bergerlebnis Berchtesgaden / Steffi Fritz

Hoch den Baum!

Der erste Mai und die Tradition des Maibaumaufstellens

Groß und schier unbezwingbar steht er vor ihm, doch Simon spürt, heute kann er ihn bezwingen, bis hinauf in den Wipfel. Wipfel? Richtig, heute geht es nicht darum, den Gipfel des berühmt-rüchtigten Watzmanns zu erklimmen, sondern auf den Maibaum hinaufzukraxeln.

Wie fast überall in Bayern werden auch rund um Berchtesgaden am 1. Mai Maibäume aufgestellt. Los geht es sehr früh am Morgen. „Besser früh aufstehen als die Nacht durchmachen“ bringt Simon es auf den Punkt. Die Berchtesgadener vermeiden so den gefürchteten Raub ihres Prunkstücks, das mit Bier und einer Brotzeit wieder ausgelöst werden müsste.

Die Burschen rücken im Morgengrauen aus, um einen makellos geraden, möglichst hohen Baum zu fällen. Fichten oder Tannen sind bestens geeignet. Sobald der Baum geschlagen ist, geht es ans Schepsen. Von Hand wird die Rinde vom Baum gehobelt. Dann beginnt der Transport des gut 30 Meter langen Stamms. Gar nicht so einfach, ihn unfallfrei bis zum Marktplatz oder Gasthaus zu bringen. Und die Mühen sind dort noch längst nicht vorbei. Zuerst werden zwei bis drei Fichtenkränze, weiß -blaue Girlanden und der so genannte Vogelsang, also der Wipfel, angebracht. Dann muss der Baum in die Senkrechte gestemmt werden, Teamwork ist hier gefragt.

Ein Schauspiel, das zahlreiche Zuschauer und vor allem junge Zuschauerinnen verfolgen. Sie sind es später auch, die die schneidigen Kraxler anfeuern, wenn diese sich anschicken, den glatten hohen Stamm zu erklimmen. Simon hat mächtigen Respekt: „So frisch geschepst ist der Stamm noch leicht feucht. Pech für zusätzliche Klebekraft verwenden wir bei uns nicht. Das wird knackig.“ Jetzt heißt es die Pfoad (= das Trachtenhemd) ausziehen. Höchste Konzentration, tief durchatmen und alle Kräfte in Armen und Beinen mobilisieren. Zentimeter um Zentimeter zieht sich Simon nach oben. Nach wenigen Minuten ist es geschafft. Während er einen kleinen Umschlag aus dem Wipfel zieht, wird unten gejubelt und auf den Prachtburschen angestoßen. Mit dem Gewinn will Simon zuerst seine Freundin auf eine Brotzeit einladen und später, wenn die Musikanten zu spielen beginnen, mit ihr den Tanzboden erobern.

Wer dabei sein möchte, wenn am 1. Mai der Maibaum aufgestellt wird, schaut am besten unter veranstaltungen.berchtesgaden.de, wo in diesem Jahr gestemmt und getanzt wird. Mit einer reschen Breze, einem frisch gezapften Bier und später gern auch einem Stamperl Enzian darf dann nach Herzenslust gefeiert werden.

Ursula Wischgoll

Ursula Wischgoll

Marketing Enzianbrennerei Grassl

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