© Enzianbrennerei Grassl
Das Meisterwurz-Graben in der Röth
Die Geschichte der Enzianbrennerei Grassl in der Röth ist eng mit dem traditionellen Meisterwurz- und Enziangraben verbunden. Bereits seit dem 17. Jahrhundert wurden in den hochalpinen Lagen über dem Königssee Wurzeln gesammelt und vor Ort verarbeitet. Eine historische „Brandwein-Hütte“ auf der Sonntagsalm die bereits auf Karten von 1817 verzeichnet ist, belegt die frühe Nutzung dieses Gebietes durch die Familie Grassl. Über Generationen hinweg zogen die Wurzelgraber der Enzianbrennerei Grassl über den steilen Röthsteig ins Gebirge, um Enzian- und besonders Meisterwurz-Wurzeln zu ernten. Dabei war fundiertes Wissen über die Pflanzen und ihre Standorte nötig. Schon die Kinder der Grassls lernten früh, die Wurzeln zu erkennen, sie nachhaltig zu graben und schwere Lasten ins Tal zu tragen.
Besondere Bedeutung hatte dabei die Meisterwurz, die in den steinigen Gräben unterhalb der Teufelshörner besonders gut gedeiht. Bereits 1870 beschrieb Adolph Bühler die Arbeit der Wurzelgraber in der Röth und erwähnte ausdrücklich die Herstellung des berühmten Meisterwurzes aus der Pflanze Imperatoria Ostruthium. Zugleich berichtete er von langen Ruhezeiten zwischen den Grabungen, damit sich die Bestände erholen konnten – ein Prinzip, das die Enzianbrennerei Grassl bis heute berücksichtigt.
Die historische Brennhütte auf der Sonntagsalm war einfach ausgestattet und über den beschwerlichen Röthsteig erreichbar. Dennoch wurde dort über Jahrzehnte gebrannt, bis die Hütte 1964 nach einem Brand fast vollständig zerstört wurde. Glücklicherweise hatte die Enzianbrennerei Grassl bereits zuvor historische Geräte wie den kupfernen Brennkessel dem Deutschen Museum übergeben.
1965 entstand nahe der Wasseralm eine neue Hütte, die seit 1999 wieder gelegentlich zum Brennen genutzt wird. Besonders die gegrabene Meisterwurz wird dort verarbeitet oder vor Ort getrocknet. Bis heute pflegt die Enzianbrennerei Grassl diese alpine Tradition und verbindet nachhaltiges Wurzelgraben mit jahrhundertealtem Brennhandwerk.
Victoria Reischl
Marketing Enzianbrennerei Grassl